Geschichte der Gartenvereine - OGV-Diesenbach

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Die Entstehung der Obst- und Gartenbauvereine in Bayern
Schon die häufige Namensänderung des Vereins von Obst- und Bienenzuchtverein über Obst-, Gartenbau- und Verschönerungsverein zum heutigen Obst- und Gartenbauverein bis hin zum Landesverband für Gartenbau und Landespflege e. V. zeugt von einer langen Entwicklungsgeschichte.

Das althochdeutsche Wort "garto" bedeutet eigentlich "das Umzäunte", also "ein kleines, mit Zaun, Hecke oder Mauer umgrenztes Landstück am bzw. um ein Haus, das intensiv bestellt wird" (Mayers Großes Taschenlexikon). Bereits unter Karl dem Großen (um 800) gab es für die Königsgüter genaueste Vorschriften über Gartenbau und Baumzucht.

"Wir befehlen: In den Gärten soll man alle nachgenannten Pflanzen ziehen: Lilien, Rosen, Hornklee, Frauenminze, Salbei, Raute, Eberreis, Gurken, Melonen, Flaschenkürbis, Kreuzkümmel, Rosmarin, Feldkümmel, Kichererbsen, Meerzwiebeln, Schwertlilien, Anis, Beerenwurz, Sesel, Salat, Gartenraute, Kresse, Klette, Petersilie, Sellerie, Liebstöckel, Dill, Fenchel, Endivie, Weißwurz, Senf, Bohnenkraut, Brunnenkresse, Pfefferminze, Tausendgüldenkraut, Schlafmohn, Runkelrüben, Haselwurz, Malven, Karotten, Kohlrabi, Kohl, Zwiebeln, Schnittlauch, Porree, Rettich, Lauch, Knoblauch, Pferdebohnen, Koriander, Kerbel, Wolfsmilch, Muskatellersalbei. Von den Bäumen aber, so wünschen wir, sollen vorhanden sein: Apfelbäume in verschiedenen Sorten, ebenso Birnbäume und Pflaumenbäume, Quitten, Haselnüsse, Mandel-, Maulbeer-, Lorbeerbäume, Kiefern, Feigen, Nußbäume, Kirschen verschiedener Art. An den Apfelsorten wünschen wir: Gosmaringa, Geroldinga, Krevedellen, Spirauken, süße und herbe, alles aber Winteräpfel; daneben solche, die sogleich gegessen werden müssen, frühreife. Von Winterbirnen habe man drei oder vier Arten, süße, Kochbirnen und Frühreife".

Es gibt außerdem genaue Anleitungen für Blumenzucht und Blumenpflege. In den Klosteranlagen der damaligen Zeit war ein Gemüsegarten, ein Obstgarten und ein Kräutergarten vorhanden. Aus diesem kurzen Rückblick sehen wir, daß Obst- und Gartenbau nicht erst eine Errungenschaft unseres Jahrhunderts ist. Neben der lebensnotwendigen Feldarbeit wurden all die Jahrhunderte hindurch, vom Mittelalter bis zur Neuzeit, immer wieder von den Regierungen oder von übergeordneten Behörden Anleitungen und Anstöße für die private Gartennutzung gegeben. Bereits im Mittelalter gab es sog. Feldgärtnereien um Bamberg, Nürnberg und Würzburg. Später folgten welche in Landshut und Neu-Ulm. Hier wurde Gemüsebau im großen betrieben. Besonders aus dem 18. Jahrhundert, also im Zeitalter der Aufklärung, sind zahlreiche Verordnungen und Maßnahmen bekannt, die den Obstbau betreffen.

Ein Erlaß von 1753 schreibt in Bayern vor, daß an den Landstraßen Obstbäume gepflanzt und in allen Gemeinden Bayerns Baumschulen angelegt werden. Bedeutsam ist um 1790 die Anlage von sog. Industriegärten. Der Begriff ist aus dem lateinischen Wort industria = der Fleiß, die Betriebsamkeit zu erklären. Wahrscheinlich ist der Einsatz und die Arbeit der Schuljugend gemeint, die in diesen Gärten in der Bodenbearbeitung, in der Pflanzenkunde und in der Obstbaumzucht unterrichtet werden sollte.

Die Industriegärten heißen im 19. Jahrhundert Schulgärten. Die Lehrer befaßten sich mit Gartenbau und erteilten den Kindern hierin praktischen Unterricht. Daher verwundert es nicht, daß zur Zeit der Vereinsgründung um die Jahrhundertwende in erster Linie Lehrer und Pfarrer die Obstbauvereine führen.

In Geisenhausen mußte vor 200 Jahren jeder, der als Bürger aufgenommen wurde, zwei Bäume an der Straße oder am Haus pflanzen. Pfarrer Kastner empfahl 1726 seinen Nachfolgern, doch ja den schönen großen Garten, den er angelegt hatte, nicht zu veräußern. Wiederum ein Pfarrer aus Geisenhausen, Franz Vordermayer, meint 1852: "Obstbäume gedeihen wohl, wenn sie richtig gepflegt werden. Aber die kalten Nebel an der Vils verderben häufig die Blüten oder erfrieren die bereits angesetzte junge Frucht, weshalb sich im Volk keine besondere Lust für Obstbäume zeigt." 1810 wurde der "Landwirtschaftliche Verein" gegründet. Er war der eigentliche Vorläufer der heutigen Obst- und Gartenbauvereine, In Würzburg, Nürnberg und München wurden in den 50er Jahren des vorigen Jahrhunderts Gartenbauvereine gegründet. In dem Buch "Die Landwirtschaft in Bayern", herausgegeben im Jahr 1860, steht eine wichtige Anmerkung: "Für Obstbaumzucht aus Wurzeln wird 1819 und in den folgenden Jahren sehr geeifert, und der ehemalige fürstbischöfliche Hofgärtner Bischofsberger erscheint in
Niederbayern als erster von der königlichen Regierung geschickter Wandergärtner. Hier gründet auch Fürst 1822 die Gartenbaugesellschaft zu Frauendorf und gibt bald drei Zeitungen mit Hilfe eigener Druckerei in Frauendorfheraus: Den Obstbaumfreund, die Gartenzeitung und die Bauernzeitung."

An anderer Stelle findet sich eine für unser Gebiet noch bedeutsamere Angabe: "Der Gartenbauverein in Landshut, über dessen gegenwärtigen Bestand uns keine Mitteilungen vorliegen, zählte im Jahre 1855 bereits 70 Mitglieder und hatte neun Versammlungen mit belehrenden Vorträgen abgehalten. Als Vereinsvorstände waren damals gewählt der königliche Regierungspräsident von Niederbayern, Herr von Schilcher, und der Herr Landrichter Huber, als Sekretär Herr Prof. Dr. Wimmer und als Rechnungsführer Herr Kaufmann Huber." Der Autor des erwähnten Buches schildert die pomologischen (den Obstbau betreffend) und gärtnerischen Aktivitäten in unserem Raum so: "In Niederbayern ist vor allem der sog. Bernrieder Winkel im Bezirk Bogen durch Obstbau, namentlich von köstlichen Äpfeln und Nüssen, ausgezeichnet und werden von da jährlich große Quantitäten auf der Donau nach Straubing und Regensburg, dann Nürnberg, nach Passau, Linz und selbst Wien gebracht und obendrein noch viel Obstessig bereitet. Auch die Gegend um Vilshofen ist durch Obstbau ausgezeichnet und werden namentlich um Ortenburg sehr viele Mostbirnen erzeugt, was sich im Österreichischen dann noch ausgedehnter wiederholt.

Von dem nahen Frauendorf und Hainberg, insbesondere auch vom städt. Hofgarten zu Landshut, werden viele Tausende von Stämmchen im Lande verbreitet und die in Niederbayern schon alte Institution der Wandergärtner ist neu aufgefrischt. Um Deggendorf, Landshut und Straubing wird auch viel Gemüse gebaut und weithin verbracht, was um so leichter ist, als die Niederbayern selbst keine starken Gemüse- und Obstesser sind. Niederbayerisches Gemüse geht bis München, Linz und Wien."
"Die Häuselleute" hatten alle außer einer kleinen Landwirtschaft auch ihren Garten am Haus und waren zum großen Teil in der Ernährung Selbstversorger.
Das Aufblühen des Vereinlebens, vor allem in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, hatte logischerweise auch die Gründung von Obst- und Gartenbauvereinen zur Folge. Der zuständige Regierungsreferent für Obst- und Gartenbau in Bayern bringt in seinem Bericht über die Jahre 1901/2 folgendes zur Kenntnis. "Es wird zu viel Tiroler Obst gekauft und zu wenig bayerisches. Daher sind die Vereinsgründungen um die Jahrhundertwende sehr wohl notwendig, damit es mit dem einheimischen Obstbau und -verbrauch aufwärts gehe." Ein sog. Wanderobstbaulehrer unterrichtete die Leute auf diesem Gebiet. Damals schon werden Obstverwertungskurse" Obstmärkte und Vermittlungsstellen für Obstverkauf eingerichtet und gut frequentiert.

Ein Farbtupfer besonderer Art ist die Einteilung von Obstverwertungskursen für Damen und solche für Herren. Bei näherer Betrachtung ist diese Unterscheidung einleuchtend; wenigstens für die damalige Zeit. Für die Frauen ist die Obstverarbeitung wichtig, für die Männer dagegen wird die Obstbaumzüchtung, die Ernte und die Verpackung eingehend erklärt. Die Baumwärter, deren Funktion damals schon seit Jahrzehnten besteht, werden den Wanderlehrern für Obstbau und dem "Staatlichen Konsulenten für Obst- und Gartenbau" unterstellt (Wanderlehrer sind heute die Kreisfachberater). Zum Schluß fordert der Referent eine vermehrte Anstellung von Baumwärtern, Kreisobstbautechnikern und Wanderlehrern.

Obst- und Bienenzuchtvereine bildeten die Vorläufervereine. In den Obst- und Gartenbauvereinen waren die Lehrer und Pfarrer Führungspersönlichkeiten. Die Mitglieder setzten sich hauptsächlich aus Beamten, Geistlichen, Bürgern, Handwerkern und Bauern zusammen. Die Gründung des Obstbauvereins Berg ob Landshut 1894 ist die erste bekannte in der Umgebung.


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